Donnerstag, 4. August 2011

Kadetten lernen nicht auf der "Gorch Fock"

Die Gorch Fock liegt weiterhin in Kiel an der Tirpitzmole an der "Kette"




Aufentern an Land lernen: Nach dem tödlichen Sturz einer Kadettin aus der Takelage des Segelschulschiffs "Gorch Fock" werden die neuen Offiziersanwärter anderswo ausgebildet.
Die diesjährigen Marine-Offizieranwärter werden nicht auf der "Gorch Fock" ausgebildet. Nach dem Unfalltod einer Kadettin, die im November 2010 aus der Takelage des Segelschulschiffes gestürzt war, sei das neue Ausbildungskonzept noch in Arbeit, erklärte Fregattenkapitän Gunnar Wolff, Sprecher des Marineamtes, am Mittwoch in Rostock. "Sicherheit bleibt dabei das oberste Gebot."
An diesem Freitag werden 189 Offizieranwärter, darunter 33 Frauen, in der Marineschule Mürwik in Flensburg vereidigt. Ihr seemännisches Grundwissen sollen sie zum Teil an Land und auf Schiffen des Einsatz-Ausbildungsverbandes erlernen. Details stehen noch nicht fest. Auf das ursprünglich geplante Verlegen der "Gorch Fock" im Herbst für zwei Monate von ihrem Heimathafen Kiel nach Flensburg zum besseren Üben verzichtet die Marine. Ab 2012 wird die Basisausbildung aber wieder auf der "Gorch Fock" stattfinden. Bis dahin soll das neue Konzept vorliegen und ein Übungsmast zum sicheren Klettern an Land errichtet sein.
Motorik fürs Aufentern vorher trainieren
Eine Reihe konkreter Forderungen aus dem Bericht der "Pommerin-Kommission" zu Verbesserung der seemännischen Ausbildung wird laut Wolff derzeit intensiv ausgewertet. Die Vorschläge würden auch abgeglichen mit den Folgerungen aus dem Bericht der Staatsanwaltschaft Kiel, des Beauftragten für Havarieuntersuchungen der Marine und den internen Untersuchungen des Marineamtes zu den Vorwürfen und Feststellungen des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP).
Die Prüfung und Umsetzung der zahlreichen Empfehlungen benötige Zeit: "Wir gehen zügig, aber sorgfältig vor, da wir einen echten Neuanfang starten und die Ausbildung auf eine solide Grundlage stellen wollen", sagte Wolff. Neben dem Übungsmast soll an speziellen Sportgeräten besonders die fürs Aufentern notwendige Körpermotorik trainiert werden.
In der Übergangszeit würden nicht alle Ausbildungsziele, die auf der "Gorch Fock" möglich seien, erreicht werden können, betonte Wolff. "Wir suchen Ausbildungselemente, die dem stark fordernden Charakter auf dem Segelschulschiff nahekommen." Es ist nicht das erste Mal, dass ein Offiziersjahrgang auf die Bark verzichten musste. Im Jahr 2000 lag das Schiff wegen aufwendiger Reparaturen in der Werft.
(dpa, shz) Fotos M.B.F. Kiel Juli 2011









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