Kanzlerin zweifelt an der
"Gorch Fock":
Dem Segelschulschiff droht das Aus
25. Januar 2011
Von Henning Baethge SHZ
Holsteiner Courier
Die ausdrück liche Hervorhebung lässt nichts Gutes für die "Gorch Fock" ahnen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstütze Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei seinem Vorgehen in Sachen "Gorch Fock", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert gestern in Berlin mit. "Ganz besonders", betonte Seibert, "unterstützt die Bundeskanzlerin, dass man nach der Rückkehr der 'Gorch Fock' in ihren Heimathafen Kiel eine Art Denkpause machen wird, um unter Beteiligung der Bundestagsfraktionen darüber nachzudenken, welche Rolle dieses Schiff in Zukunft spielen kann, spielen soll und wie es diese Rolle für das Ansehen der Marine ausfüllen wird."Tatsächlich kann es gut sein, dass aus der "Denkpause" ein Dauerzustand wird und die "Gorch Fock" nie mehr mit Soldaten an Bord ausläuft. In etwa vier Wochen soll sie aus Argentinien zurück in Kiel sein. "Dort wird sie aus der Fahrbereitschaft genommen", erklärte Guttenbergs Sprecher gestern. Das bedeutet: "Sie wird weiterhin unterhalten, aber erst mal nicht mehr eingesetzt." Auch die Aufgabe des neuen Kommandanten Michael Brühn sei dann schon wieder beendet. Wie lange das Segelschiff liegen bleibt, hängt offiziell von den anstehenden Untersuchungen über die ans Licht gekommenen Vorfälle an Bord ab. Hinter vorgehaltener Hand heißt es aber aus dem Ministerium, dass die "Gorch Fock" dieses Jahr sicher nicht mehr auf Fahrt gehen werde. Mehr noch: Man müsse sich fragen, ob die vor 53 Jahren beschlossene Ausbildung von Kadetten auf einem Segelschiff heute noch zeitgemäß sei.Der bisherige Kommandant der "Gorch Fock", Norbert Schatz, ist laut Guttenbergs Sprecher nicht "gefeuert", sondern nur für die Phase der Aufklärung als Kapitän abgesetzt worden. Nach Informationen unserer Zeitung soll Schatz noch kurz vor seiner Ablösung in einem Telefonat mit Marine-Inspekteur Axel Schimpf bestritten haben, dass es nur zwei Tage nach dem tödlichen Unfall der Kadettin Sarah Lena Seele am 7. November eine Karnevalsfeier an Bord gegeben habe. Fotos scheinen allerdings das Gegenteil zu belegen.Doch nicht nur wegen solcher Vorwürfe ist die "Gorch Fock" in der Kritik, sondern schon seit längerem auch aus finanziellen Gründen. "Es weiß doch jeder, dass die 'Gorch Fock' ein Stück Seemannsromantik ist, das Geld kostet", sagt Jürgen Koppelin, Bundestagshaushälter, Wehrexperte und schleswig-holsteinischer FDP-Chef. Mehrere Millionen Euro zahlt der Bund jährlich für das Schiff. Koppelin mag sich allerdings trotzdem noch nicht festlegen, ob der Dreimaster nicht doch weiter als Schulschiff dienen soll: "Wir sind ja auch immer stolz auf sie gewesen." Daher müsse man erst mal die Untersuchungen abwarten. Koppelins Zurückhaltung ist verständlich - schließlich ist die "Gorch Fock" auch ein Wahrzeichen des nördlichsten Bundeslandes und Patenschiff des Kieler Landtags.Eine "Gorch Fock" liegt übrigens schon still: Der namens- und fast baugleiche Vorgänger des jetzigen Schulschiffs war zeitweise Ausbildungsschiff der Sowjetmarine und wird derzeit in Stralsund von einem privaten Verein restauriert.
"Gorch Fock":
Dem Segelschulschiff droht das Aus
25. Januar 2011
Von Henning Baethge SHZ
Holsteiner Courier
Die ausdrück liche Hervorhebung lässt nichts Gutes für die "Gorch Fock" ahnen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstütze Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bei seinem Vorgehen in Sachen "Gorch Fock", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert gestern in Berlin mit. "Ganz besonders", betonte Seibert, "unterstützt die Bundeskanzlerin, dass man nach der Rückkehr der 'Gorch Fock' in ihren Heimathafen Kiel eine Art Denkpause machen wird, um unter Beteiligung der Bundestagsfraktionen darüber nachzudenken, welche Rolle dieses Schiff in Zukunft spielen kann, spielen soll und wie es diese Rolle für das Ansehen der Marine ausfüllen wird."Tatsächlich kann es gut sein, dass aus der "Denkpause" ein Dauerzustand wird und die "Gorch Fock" nie mehr mit Soldaten an Bord ausläuft. In etwa vier Wochen soll sie aus Argentinien zurück in Kiel sein. "Dort wird sie aus der Fahrbereitschaft genommen", erklärte Guttenbergs Sprecher gestern. Das bedeutet: "Sie wird weiterhin unterhalten, aber erst mal nicht mehr eingesetzt." Auch die Aufgabe des neuen Kommandanten Michael Brühn sei dann schon wieder beendet. Wie lange das Segelschiff liegen bleibt, hängt offiziell von den anstehenden Untersuchungen über die ans Licht gekommenen Vorfälle an Bord ab. Hinter vorgehaltener Hand heißt es aber aus dem Ministerium, dass die "Gorch Fock" dieses Jahr sicher nicht mehr auf Fahrt gehen werde. Mehr noch: Man müsse sich fragen, ob die vor 53 Jahren beschlossene Ausbildung von Kadetten auf einem Segelschiff heute noch zeitgemäß sei.Der bisherige Kommandant der "Gorch Fock", Norbert Schatz, ist laut Guttenbergs Sprecher nicht "gefeuert", sondern nur für die Phase der Aufklärung als Kapitän abgesetzt worden. Nach Informationen unserer Zeitung soll Schatz noch kurz vor seiner Ablösung in einem Telefonat mit Marine-Inspekteur Axel Schimpf bestritten haben, dass es nur zwei Tage nach dem tödlichen Unfall der Kadettin Sarah Lena Seele am 7. November eine Karnevalsfeier an Bord gegeben habe. Fotos scheinen allerdings das Gegenteil zu belegen.Doch nicht nur wegen solcher Vorwürfe ist die "Gorch Fock" in der Kritik, sondern schon seit längerem auch aus finanziellen Gründen. "Es weiß doch jeder, dass die 'Gorch Fock' ein Stück Seemannsromantik ist, das Geld kostet", sagt Jürgen Koppelin, Bundestagshaushälter, Wehrexperte und schleswig-holsteinischer FDP-Chef. Mehrere Millionen Euro zahlt der Bund jährlich für das Schiff. Koppelin mag sich allerdings trotzdem noch nicht festlegen, ob der Dreimaster nicht doch weiter als Schulschiff dienen soll: "Wir sind ja auch immer stolz auf sie gewesen." Daher müsse man erst mal die Untersuchungen abwarten. Koppelins Zurückhaltung ist verständlich - schließlich ist die "Gorch Fock" auch ein Wahrzeichen des nördlichsten Bundeslandes und Patenschiff des Kieler Landtags.Eine "Gorch Fock" liegt übrigens schon still: Der namens- und fast baugleiche Vorgänger des jetzigen Schulschiffs war zeitweise Ausbildungsschiff der Sowjetmarine und wird derzeit in Stralsund von einem privaten Verein restauriert.
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